Athyria

Gemeinschaft der Lauschenden

Work in progress

Spielwelt(en):Athyria
Urheber:innen:Olav, Anne Wagner
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Jahr:2021

Die Gemeinschaft der Lauschenden entstand am Ende des Vierten Zeitalters Athyrias. Sie hüten das das Hohe Lied, das Intaro Rhiannon vor ihrem Tode sang und interpretieren es.

Sie versuchen aus dem Lied Handlungsanweisungen abzuleiten, doch die prophetische Natur der Strophen, von denen nicht alle erhalten sind, macht die Interpretation zu einer Wissenschaft für sich.

Unter anderem erwartet die Gemeinschaft der Lauschenden die Ankunft der Besungenen.

Die Gemeinschaft der Lauschenden wird von Außenstehenden vordringlich als Glaubensgemeinschaft wahrgenommen. Für die Mehrzahl der Mitglieder der Gemeinschaft macht der Glaube jedoch eher den gemeinsamen Unterbau aus, auf den philosophische Lehren aufsetzen, aus denen sich eine anzustrebende Lebensführung ergibt.


Struktur

Die Anhänger:innen der Gemeinschaft der Lauschenden werden nur von Außenstehenden üblicherweise Lauschende (die Lauschende, der Lauschende) genannt; sie selbst verwenden diese Bezeichnung jedoch in der Regel nur für ihre Gemeinschaft und kennzeichnen ihre Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft durch die Nennung ihres Rangs (s. u.) oder ggf. ihrer Stellung.

Die Gemeinschaft ist grundsätzlich hierarchisch, besitzt jedoch keinen Führer. Die Mitglieder der Gemeinschaft der Lauschenden beratschlagen Angelegenheiten lokal, wobei die Situation und die Tragweite des zu beratenden Gegenstandes beeinflussen kann, wie groß (ausdehnungsmäßig auf der Karte) der Bereich ist, der zur Beratschlagung herangezogen wird. Fragestellungen, die nur ein Dorf betreffen, werden mit den in diesem Dorf lebenden Mitgliedern der Gemeinschaft beraten. Fragestellungen, die eine ganze Insel betreffen, eben mindestens innerhalb der die Insel bewohnenden Gemeinschaft.

Dabei kommt den Ansichten der Mitglieder höheren Rangs eine größere Bedeutung zu, und zwar nicht durch Stimmrecht sondern durch Ansehen. Die Gemeinschaft vertraut auf die Einschätzungen der Mitglieder in höheren Rängen aus der Annahme, dass sie auf dem Weg zur Vollkommenheit weiter fortgeschritten sind. So sind es in der Regel die älteren und erfahrenen Mitglieder der Gemeinschaft, die den Ausschlag bei Beratungen geben.

Dadurch, dass es keine Führungsebene über die gesamte Gemeinschaft gibt, sondern stets nur Mitglieder mit mehr oder weniger lokal begrenztem hohen Ansehen und Einfluss, ist es möglich, dass ähnlich gelagerte Fragestellungen an unterschiedlichen Orten unterschiedlich gehandhabt werden. So wird im Bergland beispielsweise seit langem zugelaufenes, nicht markiertes Nutzvieh dem zugesprochen, der es findet, während in Küstenregionen angetriebene herrenlose Boote verkauft werden, um den Erlös aus dem Verkauf für die Gemeinschaft einzusetzen, beispielsweise zur Unterstützung einer Familie, die Waisen aufgenommen hat.

Glaube

Die Gemeinschaft der Lauschenden weiß natürlich um die Existenz der Ewigen und akzeptiert die Aufgabe der Welt, diesen zur Vollkommenheit zu verhelfen, als individuelle Verpflichtung. Dabei ist für die Sterblichen jedoch nicht leicht ersichtlich, welches Verhalten diesem Ziel förderlich ist.

Die Welt wird im Glauben der Gemeinschaft der Lauschenden von den Ewigen gesungen. In ihrem Todeslied, dem Hohen Lied, hat Intaro Rhiannon die höchste Annäherung einer Sterblichen an das Ewige erfahren und gleichzeitig die höchstmöglichen Einsichten besessen. Sie hat entsprechend der Lehren der Gemeinschaft in diesem Moment als erste und einzige Sterbliche einen Grad der Vollkommenheit erreicht, der in ihr Lied Untertöne des Liedes der Ewigen hat einfließen lassen. Damit wird durch ihren Schwanengesang gleichsam so etwas wie ein Aufstieg Intaro Rhiannons in Sphären jenseits des Sterblichen vollzogen. Sie stirbt, doch für den Moment hat sie das Göttliche berührt und hat sich damit von der Sterblichkeit aller anderen Wesen befreit. Der Klang, der Ton oder Funke an ihr, der der Sterblichkeit entrückt wurde, lebt weiter im hohen Lied.

In ihm finden die Sterblichen Trost und Anleitung. In den Worten des Liedes ist nach dem Glauben der Gemeinschaft der Lauschenden alle Klugheit und Weisheit enthalten, die die Sterblichen benötigen, um die je nach Individuum höchste Ausprägung von Vollkommenheit zu erreichen und damit die Aufgabe der Welt, die Vollkommenheit der Ewigen zu bewirken, bestmöglich zu unterstützen.

Nie wieder wird eine Sterbliche die Vollkommenheit einer Intaro Rhiannon erreichen können. So etwas nur zu denken wäre Anmaßung. Es zu versuchen wäre ein peinlicher Frevel. Darum singen die Mitglieder der Gemeinschaft der Lauschenden nicht. Sie spielen Instrumente, sie vollführen eine Art rhythmischen Sprechgesang dazu, doch sie singen keine Melodien, weder in Wort noch in Ton.

Alles, was die oder der Sterbliche an Anleitung und Führung braucht, ist verborgen im hohen Lied. Doch die Botschaften sind oft unklar, zudem fehlen ganze Passagen oder gibt es von anderen mehrere unterschiedlich lautende Niederschriften. Die Gemeinschaft hat nicht den Luxus, einfach nur zwei Handvoll von Do's and Dont's folgen zu müssen. Vielmehr gibt es da ein vielschichtiges, umfangreiches, kompliziertes Rätsel, in dessen korrekter Lösung Hinweise zur Glückseligkeit zu finden sind.

In dem Bewusstsein, dass Sterbliche irren können, liegt der Grund für einen Verzicht auf feste Machtstrukturen. Lesarten in der Auslegung des hohen Liedes sind erlaubt, teilweise gewünscht, aber Dogmen dürfen nicht entstehen. Nur Intaro Rhiannon selbst wusste je, was die Botschaft ihres Liedes war. Jede:r Sterbliche, der oder die ihr nachfolgt, kann bestenfalls Deutungen und Vermutungen anstellen und darf nie davon ausgehen, dass es keine anderen Wahrheiten gibt.

Das Ziel der Gemeinschaft ist es, den Sinn der Welt zu erfüllen und den Ewigen ihre Transformation zur Vollkommenheit zu erleichtern. Individuelles Ziel auf diesem Weg ist es, durch Einklang mit dem Sinn der Schöpfung in eigener Vervollkommnung Glückseligkeit zu erfahren.

Lebensweise

Die Gemeinschaft der Lauschenden ist nicht auf eines oder mehrere Völker der Erstgesungenen beschränkt, gleichwohl die Quote der Völker in der Gemeinschaft nicht gleichmäßig ist.

Bescheidenheit und Genügsamkeit gelten als Tugenden. Einen gewissen Wohlstand anzustreben und zu erlangen gilt nicht als verwerflich, bringt jedoch gesellschaftliche Verpflichtungen mit sich. Regelrechter Reichtum und das Festhalten daran gelten jedoch als charakterliche Schwäche und damit Hemmnis für eigenes Glück.

Für die Gemeinschaft besteht die Welt aus weltlichen Dingen. Handwerker:innen, Landvolk und gemeinhin Personen, die körperlich arbeiten, bilden den größten Teil der Gemeinschaft der Lauschenden. Gleichzeitig ist jedes Mitglied angehalten, sich auf spiritueller und intellektueller Ebene mit dem Hohen Lied zu beschäftigen. In den Abendstunden, wenn das Tagwerk getan ist, kommen die Mitglieder der Gemeinschaft häufig zusammen, um über Deutungsweisen und Detailfragen zu diskutieren – oder solchen Diskussionen zu lauschen, wenn der eigene Rang noch zur Bescheidenheit in solcherlei Dingen rät.

Jedes Mitglied kann den Pfad zur Vollkommenheit auf eigenen Wegen zu erklimmen versuchen, jedoch gibt es einen Konsens hinsichtlich eines Weges, der das Mitglied der Gemeinschaft über verschiedene Stufen führt, die über Prüfungen erreicht werden.

Kinder wachsen in der Gemeinschaft auf und nehmen die Grundzüge der Gemeinschaft durch die Teilhabe an dieser auf. Sie leben mit ihren Eltern und wachsen in die lokale Gemeinschaft hinein und erlernen dabei häufig das Handwerk von Mutter oder Vater.

Einen großen Anteil an der Lebensweise der Gemeinschaft hat die Wanderschaft, die vordringlich als Mittel der Mehrung von Wissen und Weisheit gilt, aber immer auch den Zweck hat, noch nicht wiedergefundene Passagen des hohen Liedes zu entdecken. Üblicherweise im Alter von etwa 16 bis 20 Jahren brechen die meisten Kinder auf eine Wanderschaft auf. Die, die sich nicht auf Wanderschaft begeben und am Ort ihrer Kindheit verbleiben, bleiben vom Rang her Kinder, selbst wenn sie alt werden, große Weisheit erlangen und wichtige Beiträge zum Verständnis des hohen Liedes liefern. In der Unterscheidung von „echten“ Kindern nennt man sie Duro, also Daheimgebliebene.

Die, die sich auf Wanderschaft begeben, erhalten den Rang einer oder eines Elessee, das sich wörtlich grob als Füßgänger übersetzen lässt.

Im ersten Jahr der Wanderschaft muss ein:e Elessee in fünf Tagen jeweils mindestens 40.000 Schritte tun (ca. 24 km) und darf keine zwei Nächte am gleichen Ort ruhen. An Land darf sie oder er dabei nur auf ihren/seinen eigenen Füßen reisen. Ab dem zweiten Jahr der Wanderung bestimmt die oder der Elessee das Tempo der Wanderschaft selbst. Es gilt jedoch die Daumenregel, dass die Wanderschaft endet, wenn ein Elessee aus freiem Willen (also nicht durch Krankheit oder Verletzung oder äußere Umstände gezwungen) 28 Nächte am gleichen Ort verbracht hat. Die Lebensweise entspricht dabei der von fahrenden Handwerksgesell:innen oder Wanderarbeitern.

Lässt sich ein:e Elessee vier Jahre lang nicht nieder und wandert auch danach weiter, so erhält sie/er den Rang einer/s El-Eless, eines dauernden Wanderers.

Kehrt ein:e Elessee nach mindestens zwei Jahren der Wanderschaft an den Ort ihrer Kindheit zurück oder lässt sie/er sich an einem anderen Ort nieder, so gilt die Wanderschaft (auch im Falle einer/eines El-Eless) als abgeschlossen. Der dann erlangte Rang lautet Awonn (Sesshafte/r). Als Awonn gründet man eine Familie, zieht Kinder auf, geht seinem Tagwerk nach und ist Teil einer örtlichen Gemeinschaft.

Manche Mitglieder der Gemeinschaft gehen auch als Awonn zeitweise auf Wanderschaft. Sie behalten jedoch den Rang als Awonn.

Hat ein:e Awonn ihre bzw. seine Kinder aus dem Hause, das Handwerk an Nachkommen oder Nachfolger:in abgegeben und ist gewissermaßen „im Ruhestand“, so ergibt sich erneut eine Möglichkeit zur Aufnahme eines Wandererlebens. Atjos (eine verschliffene Form von Ati Eless, alter Wanderer) ist der Rang dieser hoch angesehen Personen. Das Alter schränkt solche Wanderer ein, daher sind die Regeln ihre Wanderschaft betreffend ein wenig lockerer. Noch immer aber ist die Wanderschaft eine Reise, die in Einfachheit und ohne Luxus vonstattengehen soll.

Die Bedeutung oder Achtung in der Gemeinschaft der Lauschenden ergibt sich aus dem Rang einerseits (aufsteigend Kind – Elessee – Awonn / El-Eless - Atjos) sowie andererseits aus den Leistungen bei dem Verständnis des hohen Liedes. Eine18-jährige Elessee, die auf Wanderschaft zwei bis dahin unbekannte Zeilen des hohen Liedes fand, kann in fast ebenso hohem Ansehen stehen wie ein 95-jähriger Atjos, der nach erfülltem Leben und langer Reise auf dem Sterbebett liegt.

Lebenserfahrung, Weisheit und Ausgeglichenheit gelten als Eigenschaften, die ein besseres Verständnis des Hohen Liedes fördern. Doch von Zeit zu Zeit gibt es auch einen Heißsporn, dessen Argumente gut und Deutungen treffend sind.

Die Einehe ist üblich, aber nicht ausschließliche Form zwischenmenschlichen Zusammenlebens. Generell wird insbesondere im Privaten Unaufdringlichkeit geschätzt und im Verbund damit jegliche im allseitigen Einverständnis vollzogene Partnerschaft oder Familie akzeptiert.

Die Gemeinschaft akzeptiert örtliche Gesetze bzw. siedelt sich nicht dort an, wo örtliche Gesetze inakzeptabel sind. An diesen Orten kann man dennoch Wanderer finden, die entweder missionieren oder nach verlorenen Passagen suchen oder beides.

Die Gemeinschaft ist in wenigen Landstrichen vorherrschend, aber in vielen verbreitet oder zumindest vorhanden. Es gibt keine einheitliche Art, sich zu kleiden oder andere Erkennungsmerkmale außer einer Tendenz hin zu einem Kleidungsstück oder Accessoire in leuchtender Farbe bei ansonsten gedeckter Farbwahl der Kleidung als Versinnbildlichung der Schönheit, der der Einfachheit inne wohnt. Orange ist hier die erste Wahl, weil die Farbe der den Horizont berührenden Sonne der Überlieferung nach die Lieblingsfarbe von Intaro Rhiannon war und gleichzeitig den Moment ihres Todes markiert.

Die Gemeinschaft lehnt Gewalt nicht ab (auch sie gehört zu den Aspekten der Welt), unterhält jedoch keinen bewaffneten Arm. Ein Berufskrieger zu sein gilt als nicht vereinbar mit dem Weg in der Gemeinschaft der Lauschenden, doch greifen Handwerker und Bauern bei Bedarf auch für die Abwendung einer Gefahr zur Waffe. Ist die Entscheidung eines Individuums oder einer Gemeinschaft erst einmal gefallen, dass die aktuelle Lage die Anwendung von Gewalt notwendig macht, so wird dieser Weg auch konsequent fortgeführt. Das Ziel ist dabei, möglichst bald zu einer gewaltfreien Lebensart zurückkehren zu können. Dies bedeutet in der Folge, dass die Gemeinschaft nur sehr zögerlich die Gewalt als Mittel wählt, dann jedoch konsequent und effizient davon Gebrauch macht.

Einen Willen zu Eroberung oder Unterwerfung ergibt sich jedoch nicht aus der Lehre der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft erhebt keinen Anspruch darauf, der einzige oder wahre Weg zu sein. Abgelehnt werden jedoch Konzepte, die dem Ziel der Welt entgegenstehen.

Verhältnis zu Personen aus Mitraspera

Das Hohe Lied benennt eine Gruppe von Personen, die mit einem sehr besonderen Schwert aus der Ferne nach Athyria kommen. Dieses Ereignis ist nach Lesart der Gemeinschaft unumgänglich dafür, dass die Welt ihre Aufgabe erfüllt und die Ewigen Vollkommenheit erlangen.

Die Ankunft der Besungenen, auch genannt „die aus den Strophen kommen“ wird von der Gemeinschaft daher herbeigesehnt. Mit dem Eintreffen solcher Personen bewahrheitet sich das Hohe Lied und bestätigt sich die Deutung der Gemeinschaft. Entsprechend herzlich, ja überschwänglich werden die Neuankömmlinge begrüßt werden.

Doch ist der Gemeinschaft auch klar, dass das Hohe Lied nicht davon spricht, dass die Neuankömmlinge gut sind. Ihre Ankunft ist lediglich gut für die Weiterentwicklung der Schöpfung.

Dementsprechend können sich nach anfänglichem Hochgefühl abhängig von den Handlungen der Neuankömmlinge sehr schnell Stimmen erheben, die eindringlich fordern, diese nicht zu verklärt zu sehen.

Ein völliges Abwenden der Gemeinschaft von den Besungenen ist jedoch nicht zu erwarten. Wer das Schicksal der Welt erfüllen will, kann ihnen nicht aus dem Weg gehen.

Sonderformen

Das Kapitel des Nachhalls ist eine religiöser geprägte Abart oder Teilmenge in der Gemeinschaft der Lauschenden.

Nach den Lehren des Kapitels schwingt die Welt noch immer im Nachhall des hohen Liedes, und dieser Nachhall ist unter bestimmten Voraussetzungen für ein sterbliches Ohr wahrnehmbar.

So gibt es an mindestens einem Ort hoch oben in einem der höchsten Gebirge Athyrias einen Stift des Kapitels des Nachhalls, in dem Frauen und Männer versuchen, solch einen Nachhall von Wort oder Gedanken wahrzunehmen und daraus das Hohe Lied oder seine Deutungsweise zu vervollständigen oder auch nur die verlorengegangene Melodie zu rekonstruieren. Die Töchter und Söhne des Kapitels des Nachhalls leben hier stumm. Kein Wort fällt je in den Mauern oder der Umgebung; nach Möglichkeit erschallt überhaupt kein Laut, den Sterbliche verursacht haben.

Die meiste Zeit verbringen die Töchter und Söhne des Kapitels in lichtlosen Gängen und Hallen im Berg und lauschen in tiefer Versunkenheit auf das Geräusch der Welt. Sehr selten erahnen sie aus ihrem Lauschen Ort und Zeit einer Verstärkung, eines Ereignisses potenziell größerer Hörbarkeit des Nachhalls. Nur in solchen Fällen, wenn die betreffenden Personen versuchen, den Ort der Verstärkung zur rechten Zeit zu erreichen, können Töchter und Söhne des Kapitels außerhalb ihres Stifts angetroffen werden. Es gibt Geschichten darüber, dass das, was man bei einem Blick in ihre Augen sieht, der Nachhall des Nachhalls gewissermaßen, jemandem den Verstand rauben kann.


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